Frachtschiffreisen - Allgemeine Infos

Das Thema ist so weit gefächert, daß man darüber ein ganzes Buch schreiben könnte. Allein über die seltsamen Reaktionen vieler Menschen, denen man davon erzählt hat, könnte man sich entweder die Haare raufen, sich schwarz ärgern oder einfach nur lachen.

Wenn man aber bedenkt, daß das Meer und die sich darauf bewegenden Objekte nicht gerade im Mittelpunkt des Interesses der meisten Menschen stehen, muß man das wohl  verzeihen. Scheinbar macht sich auch niemand Gedanken darüber, wie denn die ganzen Waren in den Einkaufszentren, die hochwertigen Konsumgüter, japanische Autos oder Stahl, Getreide und alles andere, was uns täglich begegnet, überhaupt dahin kommt.

Immerhin sind 71 % der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt, und ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, daß man in eine andere Welt "eintaucht", die nichts mehr mit dem täglichen Chaos an Land gemein hat. Die Atmosphäre auf einer kleiner, in sich abgetrennten Welt inmitten der Naturgewalten, weitab von der nächsten Küste kann so ein gewaltiges Erlebnis sein, das kaum für jemanden nachvollziehbar ist, der es nicht selbst erlebt hat.

Und das Handelsschiffe Passagiere mitnehmen, ist auch nichts wirklich Neues. Jedoch hat diese Form des Reisens in den letzen zwanzig Jahren einen Boom erlebt, der auch viele Reisende angelockt hat, die eigentlich nicht auf einen Frachter passen oder völlig falsche Vorstellungen haben. Mit vielen Kapitänen und Besatzungsmitgliedern habe ich über dieses Thema diskutiert, das Geschichten zu Tage gefördert hat, die man kaum glauben kann. Dafür ist auf dieser Homepage aber leider kein Platz.

Für ein Handelsschiff steht die Ladung an oberster Stelle, der sich der Passagier zu fügen hat. Die Lade- und Löschhäfen können sich ändern, Streiks, schlechtes Wetter und  Problemen mit Behörden oder Liegeplätzen können die ganze Reise umkrempeln. Man kann also nicht zum Kapitän gehen und verlangen, daß man dann und dann zu einer bestimmten Zeit in einem Hafen sein muß, sonst läuft man Gefahr, auf die "schwarze Liste" zu kommen.

Die Beweggründe sind sicherlich auch so unterschiedlich wie die Passagiere. Es empfiehlt sich aber áuf jeden Fall, als Voraussetzung die Liebe zum Meer mitzubringen und die Fähigkeit, sich mit sich selbst beschäftigen zu können. Man merkt dann, daß auf See die Zeit schneller vergeht als an Land, auch wenn man nur die Natur beobachtet, ein faszinierendes Phänomen. Dringend abzuraten ist jenen Passagieren, die mit Saufgelagen, dem Klaubautermann und Piratenüberfällen vor ihren Kollegen prahlen wollen, das kann nur schiefgehen. Eines ist jedoch auch sicher: Man sollte die Fähigkeit besitzen, sich mit sich selbst  beschäftigen zu können und nicht auf Animation angewiesen zu sein. Diese Fähigkeit scheint immer mehr Menschen abhanden zu kommen.

Hafenszene in Genua

Die Reisen werden in der Regel als Rundreisen angeboten, bei den speziellen Agenturen kann jedoch immer angefragt, ob auch one-way-Passagen möglich sind.. Gerade bei längeren Strecken wird diese Möglichkeit oftmals angeboten.

Oft wird nach dem Essen auf den Schiffen gefragt. Generell gibt es drei warme Mahlzeiten am Tag, morgens meist Rühr- oder Spiegelei, Pfannkuchen,  gebratenen Schinken oder ähnliches.  Das Mittagessen ist von der Herkunft des Koches abhängig, Fleisch, Reis, Kartoffeln und Gemüse gehören aber immer zum Repertoire eines Schiffskochs. Abends wird eine weitere kleinere warme Mahlzeit und Brot mit Aufschnitt etc. serviert. Und zwischendurch kann man zur sogenannten "Smoketime" um 10 und 15 Uhr Kaffee trinken, so viel man möchte.

Besonders hervorzuheben ist der "Seemannssonntag". Das ist nicht wie angenommen der Sonntag, sondern der Donnerstag, wo auf fast allen Schiffen ein üppiges Mahl mit hochwertigen Zutaten zubereitet wird.

Oft wird bei dem Thema auch die Seekrankheit angesprochen. Das ist ein Kapitel für sich, da es keine allgemeingültigen Regeln gibt, wer wann wie seekrank wird. Viele Menschen werden es zu Lebzeiten nicht los, andere kennen das Problem überhaupt nicht und bei einigen (so auch bei mir) verschwand die Seekrankheit nach einigen Reisen völlig und kam nie wieder.

Ich habe aber auch schon Erfahrungsberichte gehört, bei der der Passagier anfangs sehr zu leiden hatte, nach ein oder zwei Tagen aber bei schwerstem Wetter kerngesund war und sich an den entfesselten Naturgewalten erfreuen konnte. Mittel wie Ingwer oder Pflaster, die man sich hinter die Ohren klebt, um das Gleichgewichtsorgan zu "beruhigen", sind zweifelhaft und schlagen nicht bei jedem an.  Bei mir haben sie nie etwas bewirkt. Man sollte sich jedoch aus Angst vor Seekrankheit nicht von einer Seereise abhalten lassen. Bei fast allen Reisenden ist das zugegeben miese Gefühl kein Dauerzustand.

Wulstbug der "Antje" im Nord-Ostsee-Kanal auf der Reise von Bremerhaven nach Stockholm (1999).

 

 

                                               

 

 

                   

 

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